Ersten 6000er bestiegen: Huayna Potosi

Ersten 6000er bestiegen: Huayna Potosi

Üben am GletscherSchon seit ich den Annapurna Circut Trek in Nepal gemacht habe, wollte ich unbedingt einen 6000er besteigen. In Sucre habe ich dann erfahren, dass der Huayna Potosi in der Nähe von La Paz ein relativ leichter 6000er sein soll, der auch ohne viel Kletterei bestiegen werden kann. Ich mach mich also in La Paz etwas schlau und buche mir eine Tour mit Bergführer und leihe Equipment aus.

Am Morgen des 22. geht es dann los in eine Art Base Camp. Eine Hütte auf circa 4700 Meter, die sogar noch Strom hat. Von dort aus ging ich mit 4 Anderen und 2 Guides zum nahegelegen Gletscher um sich etwas an die Steigeisen und den Eispickel zu gewöhnen. Eisklettern ist echt schwerer als ich dachte.

Auf dem Weg zum High CampAm nächsten Tag marschieren wir mit sämtlichem Gepäck in das Highcamp. Eine Blech-Biwakschachtel mit ein paar Betten und einer Küche. Licht und Strom gibt es nicht mehr. Dort essen und schlafen wir eigentlich nur. Nach dem Abendessen um 5 Uhr gehen dann wirklich alle ins Bett, um 12 Uhr Nachts muss aufgestanden werden, um 1 Uhr ist Abmarsch. Schon im Bett hört man es immer mal wieder Donnern und auch den Schnee auf das Dach fallen. Nicht optimal für einen Aufstieg.

High Camp auf 5130 MeterAls wir dann um 1 Uhr aufbrechen liegt zwar etwas Schnee, es hat aber zumindest aufgehört zu schneien. Wir gehen über einen rutschigen, felsigen Weg zum Gletscher und legen dann dort die Steigeisen an um loszulegen. Der Gletscher ist mit einer circa 5-10cm dichten Schneeschicht bedeckt, was es etwas anstrengender macht und auch mehr Vorsicht geboten ist. Immer wieder müssen wir im Dunkeln über kleinere Gletscherspalten springen. Irgendwann erreichen wir ein größeres, falches Schneefeld auf dem Gletscher, was keine wirklichen Spalten mehr hat. Das macht das Gehen deutlich einfacher, doch es fängt wieder an zu schneien. Bei einer Pause sagt mein Bergführer zu mir: „Wir gehen jetzt bis zum nächsten Abschnitt, wenn das Wetter dann nicht besser ist müssen wir umkehren. Eine Besteiging ist dann wegen möglicher Unwetter und Blitze zu gefährlich“. Bis zum Ende des Abschnitts hat das Scheegestöber aber tatsächlich aufgehört.

Die meiste Zeit stiegen wir im Dunkeln mit Stirnlampen aufWir stehen vor einer etwas steileren Wand und der Bergführer meinte zu mir, das wir jetzt Eisklettern müssen. Die Wand ist circa 20-25 Meter hoch aber nicht sehr steil. Allerdings war sie recht eingeschneit. Mein Guide geht vor, ich kurz dahinter. Wir sind die ersten, die die Wand an diesem Tag hochgehen. Dementsprechend gibt es noch keine wirklichen Tritte und Löcher für die Eispickel. Ich komme zwar wie ich finde echt gut hoch, bin aber nach der kurzen Strecke echt komplett außer Atem. Danach geht es zum Glück wieder auf einen eher flacheren Abschnitt bevor es in einen steinige Passage. Ist echt etwas tricky weil es teilweise eisig ist, teilweise steinig und oft liegt auch noch Schnee drauf. Das aller natülich auch noch mit Steigeisen.

Am Gipfel des Huayna Potosi auf 6088 Metern!Am Ende der steinigen Passage geht es in einen kleinen Pfad durch eine ziemlich vereisste Stelle. Wir sind kurz vorm Gipfel und man merkt jetzt echt jeden Schritt. Ich muss viele Pausen zum Durchatmen machen, aber es geht langsam aber sicher vorwärts. Um 6:45 erreichen wir dann endlich den Gipfel! Nach ein paar Minuten oben und etwas Wasser und Schokolade, geht es auch gleich wieder auf den Rückweg. Ich bin eigentlich jetzt schon komplett durch und will nur noch runter. Aber der Abstieg zieht sich dann doch, vor allem weil ich lieber etwas langsamer mache um nicht am Ende noch irgendwo blöd hinzufallen oder so. Gegen 9:30 sind wir dann wieder im Highcamp angelangt. Ich bin der erste der ankommt, aber zum Glück wartet schon Tee auf mich! Ich warte auf die anderen und wir sitzen erstmal etwas zusammen und freuen uns, dass alles gut geklappt hat (Wir waren 5 Leute, die die ersten 2 Tage zusammen verbracht haben und alle haben es auf den Gipfel geschafft). Danach packen wir unsere Sachen zusammen und steigen samt Gepäck wieder ins das „Basislager“ ab. Dort wartet schon ein Minibus und schon geht es wieder zurück nach La Paz.

Eine wahnsinnig anstrengende Tour, aber es hat sich mehr als gelohnt!

Huayna Potosi 2 Tage vor der Besteigung

Schneelandschaft beim Abstieg

 


Jacob